Peep Delish: VJ Miixxy—a Selection of Works

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Stills von Live Performances von Melissa Ulto aka VJ Miixxy
© Melissa Ulto, courtesy the artist

Melissa Ulto, aka VJ Miixxy, Wohnsitz New York, arbeitet als VJ, Videografin, Video-Editorin, Filmemacherin, Schriftstellerin und Malerin. Sie ist in Clubs und bei Konzerten, am Broadway und im Museum of Modern Art aufgetreten. In ihren Performances verbindet sie abstrakte und gegenständliche Bilder. Sie hat Zugriff auf mehr als tausend gespeicherte Videoclips, die sie für ihre Shows mit den Bildern von Live-Kameras mischt; diese sind ihr, wie sie erklärt, besonders wichtig:

Die Beimischung von Bildern der Live-Kameras machen Performances erst wirklich interaktiv. Ich richte die Kameras auf die Performer auf der Bühne oder auf die Zuschauer. Das mögen alle – die Performer, die Zuschauer und der Clubbesitzer, was aus professioneller Sicht das Wichtigste ist. […] So entsteht eine Live-Sinfonie aus Bildern, die nur im Moment existiert, es sei denn, sie wird aufgezeichnet. [1]

Ulto ist auch dafür bekannt, dass sie die Kamera auf sich selbst richtet und so ihr eigenes Bild in den Mix einbezieht. Sie tritt oft kostümiert auf und gibt sich als Verkörperung weiblicher Sexsymbol-Rollenklischees. Der Effekt ist vergleichbar mit Cindy Shermans Selbstporträts. (Ulto nennt diesbezüglich Sherman und die Renaissancemalerin Artemisia Gentileschi als Vorläuferinnen.) Sie weist darauf hin, dass eine ganze Reihe von Künstlerinnen sich in ihren Werken selbst abbilden und hat dafür auch eine Erklärung: Wenn du dein eigenes Bild verwendest, dann entwirfst du dich selbst als Objekt und kannst als Künstlerin wie als Frau deine eigene Perspektive schaffen.[2]

Wie viele andere VJs kam Ulto von Film und Video zur Live-Performance und musste dafür einen radikalen Schritt machen. Sie vergleicht ihre Tätigkeit als VJ sowohl mit der des Jazzmusikers und des Video-Editors: Eine Live-Performance ist, als würde man einen schnellen Samba oder einen komplizierten Walzer schneiden, ohne den Zwang zur Genauigkeit. Es ist Improvisation, es ist visueller Jazz, es ist Spaß mit Suchtpotenzial.[3]

Beispiele von Ultos Arbeiten bietet ihr Showreel Peep Delish: VJ Miixxy—a Selection of Works. Er enthält sowohl dreidimensionale abstrakte Animationen als auch Realaufnahmen von TänzerInnen, Lippen, Flammen, Stadtlandschaften –, wobei die Ebenen miteinander verwoben werden. Kaleidoskopische Muster sind für Ulto, wie für viele andere VJs, ein wiederkehrendes Thema. Für den Übergang von einem Clip zum anderen bedient sie sich gern formaler Entsprechungen; ein abstrakter Clip voller Wirbel und Falten geht z. B. scheinbar nahtlos in die Textur des Rocks einer Tänzerin über. Oft benutzt Ulto auch eine sowohl in VJ- wie in Live-Cinema-Performances verbreitete Technik: wiederholtes Looping eines kurzen Videoclips, der eine kurze Bewegung zeigt, meist die einer menschlichen Figur. Der visuelle Eindruck dieses Loopings ist der verbalen Wiederholung im Hip-Hop ähnlich; die Wiederholung betont das Artifizielle an der Situation oder macht sich darüber lustig. Dieser Effekt ist in Ultos Loops aus Material, in dem sie selbst auftritt, besonders deutlich sichtbar. Sie lenkt so die Aufmerksamkeit auf ihr Rollenspiel als klischeehaftes Sexobjekt.

Die Dokumentation von Live-Performances stellt für alle visuellen Performer ein Problem dar und das trifft für ein VJ-Showreel besonders zu. Hier werden Ausschnitte aus einer Vielzahl von Performances zusammengeschnitten, üblicherweise aber nur ein einziges Musikstück als Begleitung für das ganze Demo verwendet. Das hat zur Folge, dass sich der Live-Charakter der visuellen Improvisation und die audiovisuelle Integration in einem solchen Demofilm nur sehr begrenzt mitteilen lassen. Es ist aber immerhin möglich, durch den Mix und die Gestaltung der Übergänge, durch den Fluss und die Unebenheiten, die sich gelegentlich bemerkbar machen, ein Gefühl davon zu vermitteln, dass man es hier mit einer improvisierten Live-Performance zu tun hat. Ulto beschreibt die Erfahrungen, die FilmemacherInnen immer wieder bei Live-Performances machen, als eine Art Kulturschock:

Wenn befreundete Video- und Filmcutter mich bei der Arbeit beobachten, können sie kaum fassen, dass das alles live passiert. Das ist für sie eine völlig fremde Welt, die ihnen sogar ein bisschen Angst macht. Sie sind gewohnt, eine ganze Stunde darauf zu verwenden, nur um einen einzigen Schnitt genau richtig hinzukriegen, und so fragen sie: ›Und was ist mit den Fehlern?‹ Aber das ist eben der springende Punkt: Es gibt keine Fehler … Die Form ist frei und fließend, und das ist für mich viel natürlicher als Arbeit mit Film. Eine Freundin hat einmal gesagt, dass ich erst dann in meinem Element, in meinem natürlichen Lebensraum bin, wenn ich an den VJ-Reglern stehe und mixe. [4]




 

Werkdetails
  • Originaltitel: Peep Delish: VJ Miixxy—a Selection of Works
  • Datum: (?) –
  • Genre: Video Collage

Dieses Werk ist Thema in folgenden Texten