Synchronisation als Ton-Bild-Verhältnis

6 Magnetton / Pilot-Ton

Der Magnetton, dessen Tonqualität 1940 durch das Hochfrequenzvormagnetisierungsverfahren entscheidend verbessert wurde, fand nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend Anwendung in der Filmproduktion.[25] Zum Einsatz kam das Tonband allerdings nicht so sehr bei der Vorführung, sondern bei der Aufnahme und beim Schneiden des Films.[26]

Geschwindigkeitsschwankungen bei der Tonaufzeichnung haben Schwankungen der Tonhöhe (Wow und Flutter) zur Folge und machen die nachträgliche Synchronisation praktisch unmöglich. Sie konnten durch eine Nutzung der jeweils standardisierten Wechselstromfrequenz (50 oder 60 Hz) als Antriebsstandard für Kameras und Tonaufnahme vermieden werden. Ein ähnliches Prinzip wird von Verfahren wie Ranger und Pilotton genutzt, um einen Gleichlauf des Tonbandgeräts mit der Kamera zu erhalten: Ein an den Motor der Kamera angeschlossener Pilottongenerator erzeugt eine Sinuswelle, die als eine Art magnetische Perforation mit auf das Tonband aufgezeichnet wird. Dieser Ton kann dann bei der Wiedergabe, selbst wenn die Laufgeschwindigkeiten bei der Aufnahme geschwankt haben oder sich das Tonband verformt hat, nachträglich wieder mit der Bildwechselfrequenz abgeglichen werden. Allerdings war ein oft herausgestellter Vorteil des Tonbands, nämlich die bessere Mobilität der leichteren und kleineren Geräte, durch die Kabelverbindung zur Kamera wiederum eingeschränkt. Diese Einschränkung ließ sich jedoch bald vermeiden durch die mithilfe eines Schwingquarzes in beiden Apparaten unabhängig voneinander erzeugte Normfrequenz. Auf Basis der damit erreichten relativen Synchronisation konnte dann durch auf beide Medien parallel aufzuzeichnende Start- und Stoppsignale, wie etwa eine Filmklappe oder ein vom Tonbandgerät gesteuertes optisches Signal, eine absolute Synchronität hergestellt werden. Die von Stefan Kudelski gebaute Nagra-Bandmaschine setzte sich spätestens ab 1962, mit der Integration des ebenfalls von Kudelski entwickelten Neopilot-Systems in die Nagra III, als Standardtonbandgerät in der Filmproduktion durch.[27] Das Aufkommen bestimmter Filmstile der Unmittelbarkeit wie Direct Cinema oder Cinéma Verité wird häufig mit der Mobilität dieser Tonbandgeräte assoziiert. An einem Film wie Nashville von Robert Altman, der explizit von einer Tonbandtechnik, namentlich der Mehrspuraufnahme, geprägt ist, ist jedoch zu sehen, dass Tonbandtechnik nicht zwingend an eine einfache Dokumenthaftigkeit des Tons gebunden ist. Die Verwendung von Tonband-Mehrspurgeräten im Film ist einer der Ausgangspunkte einer im Vergleich zum klassischen Hollywoodkino weniger hierarchischen, mehrschichtigen Klangorganisation: Während dieses eher auf eine zentrale Narration und die Verständlichkeit der Dialoge hin orientiert ist und deswegen Hintergrundgeräusche und Musik während des Dialogs weitgehend ausgeblendet werden, kommt in Filmen Robert Altmans und im zunehmend wichtigen Sound Design generell den Geräuschen und dem Überlappen mehrerer Tonebenen, die mehrere gleichzeitige Bezüge zwischen Tonspur und Filmbild ermöglichen, eine wachsende Bedeutung zu.[28]

Bis in die 1930er Jahre werden für die elektromagnetische Aufzeichnung von Tönen Bänder aus Stahl verwendet, dann magnetisch beschichtete Bänder aus verschiedenen Materialien. Über den Magnetton in der Filmproduktion: vgl. Friedrich Engel, Gerhard Kuper, Frank Bell, Zeitschichten: Magnetbandtechnik als Kulturträger. Erfinder-Biographien und Erfindungen, (Weltwunder der Kinematographie, Bd. 9), Potsdam 2008, S. 395ff.  
Diese Tendenzen haben freilich auch noch mit anderen Entwicklungen der Tontechnik zu tun, z. B. der allgemeinen Klangqualität oder der Stereo- und Surroundtechnik. Einen Überblick über verschiedene Aspekte des Sound Designs bietet Barbara Flückiger, Sound Design. Die virtuelle Klangwelt des Films (2001), Marburg 2006.  
1
2
3
4
5
6
7
8