Farbe-Ton-Analogien

2 Transfer von Konsonanzen der Tonintervalle auf Farbmischungen

Eine erste Reduzierung der allumfassenden Analogien der Frühzeit erfolgte in der Antike, als die zahlreichen Elemente nun auf Tonintervalle, Farbenpaare, Geschmacksqualitäten und Planeten konzentriert wurden, zwischen denen man harmonische Beziehungen aufgrund von jeweils siebenteiligen Skalen herstellte.

Sehen und Hören als die im Menschen vorrangigen Sinne zur Umweltwahrnehmung sowie stellenweise auch das Riechen und Schmecken wurden dabei bis ins 18. Jahrhundert hinein mittels Analogiebildung auf der Grundlage von Zahlengleichheit strukturiert.

Diese Transfers standen im Zusammenhang mit der Vorstellung einer übergreifenden Harmonielehre, in der die Weltordnung und Ästhetik auf Zahlen und Zahlenverhältnissen beruhen und durch diese ausgedrückt werden können[1].

Eine grundlegende Neuerung stellte dabei die Erkenntnis der Pythagoreer dar, dass die musikalische Harmonie auf ganzzahlige Proportionsverhältnisse zurückgeführt werden kann.

In der sich nun entwickelnden Musiktheorie spielte die Siebenzahl als Umfang der Tonleiter eine elementare Rolle. Nach dieser Maßgabe veränderte Aristoteles auch die Farbskala von von Weiß – Schwarz – Rot – Ockergelb auf Weiß – Gelb – Rot – Purpur – Grün – Blau – Schwarz, also der Helligkeit nach geordnet und damit an der Wahrnehmung orientiert, und übertrug Konsonanzen von Tonintervallen (Oktave, Quinte, Quarte) auf Farbenmischungen.

Im 17. Jahrhundert wurden die klar definierten musikalischen Konsonanzprinzipien dann auf Farbenpaare angelegt, um zu einer Art Harmonielehre der Malerei zu gelangen. In diesem Prozess wurde die Tonintervall-Farbenpaar-Analogie von der Einbeziehung anderer Sinne isoliert. So transferierte 1650 Cureau de la Chambre, ganz in aristotelischer Tradition, zunächst die musikalischen Konsonanzen Oktave, Quinte und Quarte auf Farben und differenzierte dieses System so weit aus, bis er Konsonanz- und sogar Dissonanzgrade aller möglichen Farbenpaare bestimmen konnte.

Hierauf basiert auch das Konzept der Sphärenharmonie, nach dem die Planeten bei ihrer Bewegung Töne erzeugen, die zusammenklingend die Himmelsharmonie ergeben, von der wir jedoch nichts hören. Vgl. Hans Schavernoch, Die Harmonie der Sphären. Die Geschichte der Idee des Welteinklangs und der Seeleneinstimmung, Freiburg 1981.  
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